Mein Vater, sein Vater, dein Mann…
der mit der Aktentasche zur Arbeit geht, und mir direkt zwei paar Schuhe gekauft hat…
wegen dem er den letzten Elfmeter schießt, und so dünne Beine hat…
der mit den Kindern Weißer Hai spielt, und der dich wahnsinnig macht…
Und der irgendwann nicht mehr ist… “Aber es ist doch ok”, sagt er.
Colorado beschreibt wie eine Familie sich über die Jahre ändert. Kinder werden älter, Eltern werden älter, werden alt, werden krank. Anekdotisch erzählen Tochter, Sohn und Frau über ihre Erlebnisse und Erinnerungen mit und von dem Vater, der - wenn man so will - zentralen Figur des Buches. Die Sichtweisen der drei Erzähler/innen zeigen wie unterschiedlich die Beziehungen innerhalb der Familie waren, sind und sich entwickeln. Ein und dieselbe Person - nicht nur der Vater - nimmt darin viele Rollen ein; und Gefühle sind nicht eindeutig oder endgültig.
Colorado ist kein autobiografisches Buch. Es geht nicht darum eine bestimmte Familie zu portraitieren. Vielmehr beschreibt es Gefühle, die wohl jeder - in der ein oder anderen Form - kennt, nicht nur innerhalb des engsten Familienverbundes sondern auch im weiteren (Freundes-)Kreis. Und ja, es geht auch um Altern, es geht um Krankheit und es geht um Tod.
Colorado ist kein langes Buch und kein kompliziertes Buch. Es will nicht erklären oder lehren, es will nicht vorgeben, was zu tun oder zu lassen ist, was richtig ist oder falsch. Es versucht vielmehr Einblicke zu geben in das Leben einer Familie, wie sie sein könnte, und sicherlich auch irgendwo irgendwie so ist. Damit mag das Buch einen Ort schaffen, an dem der Leser mit seinen eigenen Erlebnissen, Erinnerungen und vor allem Emotionen Zuflucht findet; einen Raum, um über die eigenen Beziehungen nachzudenken; und vielleicht kann es ein bisschen dazu beitragen, dass man sich nicht mehr so alleine fühlt.
Jana Viktoria Nysten
Jana Viktoria Nysten hat ihren ersten Roman mit sieben Jahren geschrieben. Es ging um Pferde und das Heft gibt es auch noch. Inzwischen arbeitet sie hauptberuflich als Wissenschaftlerin im Umweltenergierecht und promoviert nebenher an der Maastricht University. Sie hat in den Niederlanden und den Vereinigten Staaten Rechtswissenschaften studiert und einige Jahre als Anwältin in Brüssel und Berlin gearbeitet. Seit drei Jahren lebt sie bei Aachen, in einem kleinen Haus auf dem Land. Sie schreibt immer noch, aber inzwischen eher seltener über Pferde.
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