Vordergründig passiert nicht viel – man feiert ein Gartenfest, lädt Freunde zum Essen ein, geht am Meer oder in einem Park spazieren, verschenkt ein Puppenhaus, begegnet sich in einem Café –, und doch erzählen diese Geschichten vom Drama des Lebens: von heftiger Liebe, die jäh enttäuscht wird, vom Glück und seiner Flüchtigkeit, von der Vereinzelung des Einzelnen. All das wird in einem Ton zartester Heiterkeit, scheinbar beiläufig in einer einfach anmutenden Prosa geschildert. Die Erzählung ›Der Kanarienvogel‹ beschließt den Band. Darin erzählt eine einsame Frau vom Tod ihres Vogels, dem einzigen Wesen, das sie je geliebt hat. Nachdem sie diese Erzählung, ihre letzte, vollendet hatte, schrieb Mansfield: »I cannot work … my spirit is nearly dead …« Wenige Monate später starb sie, wie Anton Cechov, an Tuberkulose.
Anton Cechov war ihr Lehrmeister, und wie bei Cechov sind es die kleinen, scheinbar profanen Dinge, die Katherine Mansfields Aufmerksamkeit bannten. Das zeigen die hier versammelten Geschichten, die Mansfield in den letzten Jahren ihres Lebens geschrieben hat und die zum Besten gehören, was in diesem Genre je erreicht wurde.
Katherine Mansfield
Katherine Mansfield wird oft in einem Atemzug mit englischen Schriftstellern wie Thomas Hardy, Virginia Woolf oder T. S. Eliot genannt. Geboren wurde sie jedoch 1888 in Wellington, Neuseeland. 1903 verlässt sie ihre Heimat und geht nach London, taucht ein ins Treiben der literarischen Bohème. Sie hat Beziehungen zu Männern und Frauen; nach einer Fehlgeburt und dem Scheitern einer Ehe stirbt sie 1923, erst 34 Jahre alt, in Fontainebleau an Tuberkulose.
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»Die englische Literatur verdankt den Frauen viel, und eine der eigenartigsten und liebenswertesten Begabungen war Katherine Mansfield.«
Hermann Hesse ()