ANSTIFTUNG ZUR SELBSTERKUNDUNG Von Martin Heller J ede Kulturhauptstadt Europas beschaftigt sich erst einmal mit sich selbst. Zwangslaufig - weil sie wissen will und wissen muss, wer sie ist. Als Voraussetzung fiir jedes Denken und Handeln auf die Zukunft hin, und als Basisjeder stadti schen AuBenpolitik. Aus diesem Grund hat Linz09 die Erarbeitung und Publikation des Linz Atlas erm6glicht und begleitetet. Die Vorstellung, Linz auf diese Weise besser zu verstehen, war verlockend. Mit Hilfe einer sozialwissenschaftlich fundierten Kartographie, die den unterschiedlichsten Parametern und Kenngr6Ben der Kulturhauptstadt 2009 nachgeht und sie in einen Zusammenhang bringt. Das eigentliche Zauberwort in diesem Arbeitsprozess aber war: Lebensqualitat. Dies aus zwei Griinden, wie mir scheint. Zum einen, weil sich damit individuelle Vorstellungen des Wohlbehagens verbinden, die wir aIle kennen und am eigenen Leib erfahren konnen. N ach solchem Wohlbehagen auch am Korper eines urbanen Organismus zu fragen liegt nahe, obschon derartige Ubertragungen durchaus ihre Tiicken haben. Zum anderen ist mittlerweile auch einem breiteren Pu blikum klar geworden, dass sich nicht nur Metropolen, sondern auch die europaischen Mittelstadte in einem standigen Wettbe werb befinden. Deshalb finden Stadterankings immer gr6Be re Aufmerksamkeit. Rankings, die nach der Wirtschaftskraft einer Stadt fragen, nach den Mustern regionaler Beziehungen oder schlicht und ergreifend nach der smartesten aller Stad te, als Summe zahlreicher benennbarer und bewertbarer Ein zelfaktoren. Oder eben nach Lebensqualitat - weil sich daraus die Attraktivitat eines Standorts schliissig erweisen muss.
„Linz Atlas" zeichnet anhand von thematischen Karten ein statistisches Porträt von Linz. Jenseits der unzähligen subjektiven Blicke auf die Stadt, auch jenseits politischer Imagebehauptungen zeigen die nackten Zahlen – im Vergleich mit anderen Städten in Europa - die Stärken und Schwächen von Linz. Die zentrale Fragestellung lautet dabei: Was macht eine Stadt für ihre BewohnerInnen lebenswert? Die Alltagsrealität der Bewohner in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen bedeutet eine Akzentverschiebung von einem standortorientierten Stadtdiskurs hin zu einem umfassenden Blick auf das Thema Lebensqualität.
Peter Arlt
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