von der Rolle Wer sich mit Gender befasst, begibt sich auf eine Reise durch alle Bereiche der gesellscha- lichen Verhältnisse, lernt die Mechanismen von Gruppenzwängen, Ein- und Ausgrenzungen in verschiedenster Gestalt kennen und entdeckt letztlich sich selbst zu einem nicht geringen Teil als Produkt dieser starken, allgemein wirksamen Kräfte. Gender, das ist die Rolle, der wir z- geschrieben sind, die uns auf den Leib geschrieben ist, in die wir hineingewachsen sind. Sehr oft aber ist es eine Rolle, die uns widerstrebt, mit der wir uns nicht identifizieren können, g- schweige denn wollen. Der Begriff beschreibt ein Muster, von dem wir abhängen – oft aus traditionsbedingter Anhänglichkeit, weil es eben „immer schon so war“ –, das uns ins Leben bindet oder aber wie ein Strick um den Hals in existentielle Krisen führt. Gender bezeichnet soziale Geschlechterrollen. Es geht weniger um rein körperliche Geschlechtsmerkmale als vielmehr um typische, von der Kultur vorgegebene Eigenschaften und Verhaltensweisen, die ein in ihr lebendes Geschlecht zu erfüllen hat. Wien hat schon in der Frühphase des Feminismus wichtige Positionen hervorgebracht und mit Helene von Druskowitz (1856–1918), der ersten promovierten Philosophin Österreichs und der zweiten überhaupt, eine seiner streitbarsten Vertreterinnen aufzuweisen. Der Begriff Gender wurde vor über 50 Jahren, Mitte der 1950er Jahre, eingeführt. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Sammlung für zeitgenössische Kunst der Kulturabteilung der Stadt Wien, aus der die Ausstellungsobjekte des vorliegenden Kataloges stammen.
- Rasche Orientierung über künstlerische Positionen der letzten 40 Jahre zum Thema Gender
- Erstmaliger Wiederabdruck des kunstgeschichtlich grundlegenden Textes „Dame im Bild" von Rozsika Parker und Griselda Pollock
- Ausstellung MATRIX: 13. März bis 7. Juni 2008, MUSA Museum auf Abruf, Wien
MATRIX. Geschlechter | Verhältnisse | Revisionen befragt künstlerische Arbeiten der letzten vier Jahrzehnte hinsichtlich der relationalen Kategorie Geschlecht. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit einander überlagernden Schlüsselthemen wie Körper(-bilder), Identitätskonstruktionen, Selbstinszenierung, Repräsentationskritik und Kunstgeschichtsschreibung. Bilder zu Sexualität und Geschlechtlichkeit, die die Polarisierung von „weiblich" und „männlich" unterwandern, erweitern die Sichtweisen. Die vorgestellten Werke werden mit dem Wiederabdruck des Aufsatzes „Dame im Bild" von R. Parker und G. Pollock sowie mit Anja Zimmermanns Essay „Was war feministische Kunst?" in einen größeren kunsthistorischen und -theoretischen Zusammenhang eingebettet.
Sabine Mostegl
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