Michael Ley Ley Mythos und Moderne

Mythos und Moderne

von Michael Ley

Über das Verhältnis von Nationalismus und politischen Religionen

EUR 49,90

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Beschreibung

Die Mythen der Moderne sind vielfältig, der archimedische Punkt ist jedoch die sakralisierte Nation. Spätestens im 19. Jahrhundert wird in Europa die Nation – in Romanen, Theaterstücken, in der bildenden Kunst, in Opern sowie in den Schulbüchern – zur Ikone im religiösen und liturgischen Sinn: die frühere Heilsinstanz – die Kirche als corpus mysticum – wird durch die Nation – als neue ecclesia – vielfach ersetzt. Michael Ley interpretiert den Nationalismus als politische Religion, aus der sich alle totalitären politischen Bewegungen bestimmen lassen. Trotz unterschiedlicher Ausprägungen der Nationalismen sind allen die Auserwähltheit der eigenen Nation und die mit ihr verbundenen religiösen Attribute der Heiligkeit und der Vorsehung gemein. Der Nationalismus verweltlicht und nationalisiert gleichzeitig die christliche Tradition und beansprucht darüber hinaus das Erbe und die Vollendung der Antike: Er verspricht somit nicht nur die Verwirklichung der christlichen Erlösung, sondern auch die Rückgewinnung eines „goldenen Zeitalters“ im Sinne der griechischen Mythen. Dieses Gedankengut ist ein immer wiederkehrender Topos der europäischen Ideengeschichte: In der Renaissance und im Barock entstehen die Utopien sagenumwobener Inseln, deren Bewohner in christlichen Idealstaaten leben. Die radikale Aufklärung und die Romantik erheben diese Utopien zum politischen Programm: Erziehungsdiktaturen und geschlossene organische Gesellschaften werden als totalitäre Erlösungsgemeinschaften propagiert. Die modernen Totalitarismen bzw. politische Religionen radikalisieren die nationalistischen Mythen und ergänzen bzw. ersetzen die „heilige Nation“ durch die „Rasse“, die „Partei“ oder „die Gesetze der Geschichte“. Nationalismen und politische Religionen unterscheiden sich somit nicht strukturell, sondern „nur“ im Ausmaß ihrer Totalisierung. Der Zusammenbruch der politischen Religionen beendet nicht nur das Jahrhundert der Extreme, sondern das Zeitalter der klassischen Nationalstaaten und insgesamt die europäische Moderne.

Autor*in

Michael Ley
Michael Ley, geboren 1955 in Konstanz am Bodensee, Studium an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bremen, seit 1986 freischaffender Sozialwissenschaftler, Tätigkeiten in und für verschiedene wissenschaftliche Institutionen (u. a. Institut für empirische Sozialforschung, Wien

Themen in »Mythos und Moderne«

Nationalismus Politik Religion

Stimmen zu »Mythos und Moderne«

Details

ISBN: 9783205773122
Verlag: Böhlau Wien
Erscheinung: 03.02.2005

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