Der Codex Vindobonensis 652 gehört zu den zahlreichen Abschriften eines Werkes, das bereits zu Lebzeiten seines Verfassers, des Fuldaer Mönchs und späteren Bischofs von Mainz, Hrabanus Maurus, große Berühmtheit und eine planmäßige Verbreitung im gesamten karolingischen Reich erlangt hatte.
Der als „praeceptor Germaniae“ gelobte Hrabanus gab seiner Schrift die literarische Form der Bildgedichte, die schon sein berühmter Lehrer Alkuin in Tours geübt hatte. Hrabanus führte diese Gattung zu einer neuen Blüte, wobei er sich weniger auf die unmittelbaren karolingischen Vorbilder als auf die eigentliche antike Quelle dieser Form berief.
Der in ein rasterartiges System eingeschriebene Text wird als Schriftfeld in einem quadratischen Rahmen wie ein Bild vorgestellt. Aus diesem Schriftfeld treten einzelne Buchstaben und Buchstabengruppen hervor. Diese fügen sich zu selbständigen Gedichten oder Wortfolgen, die auf das inhaltliche Gesamtkonzept – die Verherrlichung des Kreuzes – Bezug nehmen.
Die insgesamt 28 Bildgedichte der monumentalen Handschrift gehören zur ersten Fassung der Abhandlung über das Hl. Kreuz, die Hrabanus bereits zwischen 810 und 814 vorlegte. Das letzte von ihnen war das berühmte Dedikationsbild des Werkes, das den Autor selbst zu Füßen des rettenden Kreuzes darstellt.
Die Faksimile-Ausgabe gibt die karolingische Handschrift originalgetreu in allen Details wieder. Der Kommentarband erläutert die Handschrift und führt den Leser in die faszinierende Welt Kaiser Karls des Großen ein.
Maurus Hrabanus