Narrativik entsteht im 17. Jahrhundert unter aufmerksamer Beobachtung seitens der Zensur, aber auch der Literaturkritik und -theorie. In Italien treffen insbesondere Fragen der Rechtgläubigkeit, der politischen und diplomatischen Opportunität und der poetologischen Orthodoxie in einem Kreuzungspunkt heterogener Observanzen aufeinander, die beachtet, missachtet, unterlaufen, durchkreuzt oder gegeneinander ausgespielt werden können. Dabei spielen einerseits Zensur und Inquisition, andererseits der Schutzraum der venezianischen Accademia degli Incogniti und das Bestreben der Republik Venedig, sich vom Einfluss Roms freizuhalten, wichtige Rollen.
Literatur reflektiert und reagiert auf diese von Vigilanz geprägte Situation, die sie umgibt, prägt, begrenzt, aber auch anregt. Dabei ergeben sich unterschiedliche Beobachtungsverhältnisse und Aufmerksamkeitshaltungen zwischen Akteuren der Literatur, Zensur bzw. Inquisition, Akademien, politischer Gruppierungen und Institutionen sowie des Druckgewerbes; zugleich zeigt sich in den Texten oft bemerkenswerte, hiervon getriebene Kreativität.
Der Band untersucht diese Dynamiken und weitet, von Italien ausgehend, den Blick auch auf den französischen und englischen Sprachraum.
Laurian Kanzleiter
Roman Novelle Gegenreformation Libertinismus Zensur Inquisition novel novella Counter-Reformation Libertinism censorship