Wer bin ich? Diese Frage ist für Anna nicht einfach zu beantworten,
denn sie ist ein eineiiger Zwilling. Und eineiige Zwillinge sind eine
einzige Zumutung. Sie ist aus dem bündnerischen Bever nach Zürich
gezogen, um Biologie zu studieren. Nun arbeitet sie in der
Flechtenforschung, ihre Schwester Leta widmet sich der Fotografie. Beide
betrachten die Welt durch eine Linse: Anna durch das Mikroskop, während
Leta seit der Kindheit obsessiv Anna fotografiert. Als Anna nach
Treviso zur Eröffnung von Letas Fotoinstallation »Observing the Self«
fährt, fühlt sie sich von ihr verraten, missbraucht und ausgelöscht.
Denn Leta hat das einzige Zeichen, das sie beide unterscheidet,
wegretuschiert. Barbara Schibli gelingt in ihrem Debütroman ein
packend-poetisches Frauenporträt, in dem sie gekonnt Kunst und
Wissenschaft mit der Frage nach Identität in der modernen Gesellschaft
verwebt.
Barbara Schibli
Barbara Schibli, 1975 in Baden geboren, hat Germanistik, italienische Literaturwissenschaft und Publizistik studiert. Sie lebt im Kanton Aargau und arbeitet als Gymnasiallehrerin in Baden. 2016 gewann sie den Studer/Ganz-Preis für das beste unveröffentlichte Prosamanuskript. 2017 wurde sie für ihren Debütroman Flechten mit dem GEDOK Literaturförderpreis ausgezeichnet. 2018 gewann sie mit ihrem Hörspiel Marderschreck den Wettbewerb des 8. sonOhr Hörfestivals.
Biologie Frauenporträt Kunst Schwester Wissenschaft Zwilling