Über Jahrhunderte war es üblich, auf einem meist bescheidenen Trägermaterial mit kunsthand werklichen Techniken kostbare oder fremde Materialien vorzutäuschen. Solche Vorgehensweisen und Verfahren können in der Kunstgeschichte über lange Zeiträume zurück verfolgt werden, wie Pierre Alain Mariaux anhand früh mittelalterlicher Beispiele zeigt.
Seit der architektonischen Moderne allerdings stehen Imitation und Illusion unter Generalverdacht: Zumindest herrscht die Ansicht vor, es handle sich um ein unehrliches Gewerbe, wenn nicht gar um «baukünstlerischen Betrug». Mit diesen Aspekten des Themas hat sich Dieter Schnell auseinandergesetzt.
Dennoch beschränkt sich die Imitation von Materialien nicht einfach auf plumpe Täuschung. So können imitierte Materialien manchmal ganz eigenwillige, keineswegs naturalistische Formen annehmen, wie Heiko Dobler in seinem Aufsatz zeigt. Und zur Kunst der Imitation gehört auch eine ganze Reihe spezifischer handwerklicher Kenntnisse, wie wir im Artikel zu den Altarfronten aus Scagliola im Tessin sehen. Die Beweggründe für die Wahl imitierter Materialien sind ganz unterschiedlich und reichen bis hin zum absichtsvollen Spiel mit der Wahrnehmung des Betrachters, wie Melchior Fischli in seinem Beitrag darstellt. Es lohnt sich auch, einen genauen Blick auf das Bildprogramm im Kirchhof des Klosters Fahr zu werfen, wo die Meisterwerke der Gebrüder Torricelli ein Unikum der Fassadenmalerei des 18. Jahrhunderts darstellen.
Altarfronten Fassadenmalerei Gebrüder Torricelli Pierre Alain Mariaux