Von Anfang an war Kino nicht nur Speicher und damit Form des Gedächtnisses, sondern zugleich eine sichtbare Apparatur des Erinnerns und eine differentielle Anordnung, die Erinnerungstheorien generierte. Die konstitutiv und vielfältig auf Fragmentierung beruhende Wahrnehmung im Kino ist auf unser re-membering angewiesen. Als Ort der Herstellung und Darstellung von Erinnerung hat das Kino nicht nur ein Heer von Gedächtnismetaphern, sondern auch ein ganz spezifisches Gedächtniswissen hervorgebracht.
Dieser Band untersucht die Kinematographie als Mnemographie. Gefragt wird nach filmischen Formen und Formungen des Erinnerns, nach Erinnerungseffekten und -defekten, nach Dispositiven und Phantomen, Gesten und Anamorphosen der Erinnerung, nach der spezifischen Gedächtnispolitik des Kinos, den filmischen Oberflächen des Unbewussten, nach körperlosen und verkörperten Erinnerungen, Wieder-Sehen und Wieder-Hören, traumatisierten Memoryscapes.
Ute Holl
Ute Holl Ute Holl is a filmmaker, media scholar and professor for media
aesthetics at Basel University. Her research focuses on a media-history of perception and on the epistemology of audiovisual
media. She has published on film and cinema as well as on the
mediahistory of acoustics and electro-acoustics. On Maya Deren,
she published e.g. Choreographie für eine Kamera, Schriften zum
Film (1995, co-edited by Jutta Hercher) and Cinema Trance and
Cybernetics (2017).
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