Fredi Lerch  Therapeutischer Wille unter Strom

Therapeutischer Wille unter Strom

von Fredi Lerch

Die Geschichte des Elektroschocks in der Heil- und Pflegeanstalt Münsingen

EUR 25,00

Buch in deiner Nähe kaufen


...oder deine aktuelle Postleitzahl eingeben:
oder

Beschreibung

Unter dem Psychiatriepionier Max Müller werden in der Heil- und Pflegeanstalt Münsingen in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre zwei neue körperliche Therapieformen erprobt. Zur Praxis des Insulinschocks findet hier eine stark beachtete internationale Fachtagung statt; bei der Elektroschocktherapie gehört Müller zu den Ersten, die sie ausserhalb Italiens anzuwenden beginnen. In den Archiven des Psychiatriezentrums Münsingen (PZM) spiegelt sich die Geschichte des Elektroschocks eindrücklich: das erste Jahrzehnt der unmodifizierten Behandlungsweise mit Knochenbrüchen und Luxationen als Nebenwirkungen; die Suche nach einer modifizierten Behandlungsform mit Kurznarkose, Muskelrelaxans und künstlicher Beatmung ab den späten 1940er-Jahren; der therapeutische Alltag der folgenden Jahrzehnte mit erfolgreichen Kuren und Remissionen, aber auch mit zwangsweisen Behandlungen im Dienst der Anstaltsordnung. Die wachsende Palette der Psychopharmaka und die zunehmende internationale Kritik am Elektroschock führen 1988 zur Streichung des Therapieangebots. In einem abschliessenden Gespräch wird geklärt, warum im Psychiatriezentrum Münsingen die Elektroschock- respektive Elektrokonvulsionstherapie seit 2017 wieder angeboten wird.
Der Elektroschock ist wohl die umstrittenste psychiatrische Therapie des 20. Jahrhunderts. Unter dem Direktor Max Müller gehörte die Heil- und Pflegeanstalt Münsingen ab Spätherbst 1939 zu den ersten Institutionen weltweit, die damit Behandlungen durchführten. In den ersten zehn Jahren gehörten Knochenbrüche und ausgerenkte Gelenke zu ihren nicht seltenen Nebenwirkungen, später verhinderte man diese durch Kurznarkosen, Muskelentspannungsmittel und künstliche Beatmung. Umstritten blieb in den folgenden Jahrzehnten die Frage, ob die Stromstösse das Hirn schädigen. Wegen öffentlicher Kritik und der wachsenden Palette von chemischen Substanzen, die sich als Alternative anboten, wurde der Elektroschock immer seltener angewendet – in Münsingen letztmals im Sommer 1988. – Nach einer Pause von 29 Jahren kommt er nun seit dem September 2017 unter dem Namen Elektrokonvulsionstherapie (EKT) wieder zum Einsatz. Dieses Buch ist keine medizinhistorische Fachschrift. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf den Fersen eines recherchierenden Journalisten auf den Weg durch die Geschichte des Elektroschocks in Münsingen. Man begegnet Ärzten, die gegen den «therapeutischen Nihilismus» der Langzeitverwahrung durch neuartige Therapien zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft verhelfen wollten. Und man begegnet den Lebens- und Leidenswirklichkeiten damaliger Patientinnen und Patienten, wie sie sich in ihren Krankengeschichten spiegeln. Ein abschliessendes Gespräch ist der Frage gewidmet: Warum ist die EKT vor Kurzem in die Klinik zurückgekehrt?

Autor*in


Themen in »Therapeutischer Wille unter Strom«

EKT Elektrokonvulsionstherapie Elektroschock Geschichte Elektroschock Geschichte Psychiatrie Heil- und Pflegeanstalt Münsingen Psychiatrie Psychiatriezentrum Münsingen AG

Stimmen zu »Therapeutischer Wille unter Strom«

Details

ISBN: 9783033074569
Verlag: PZM Psychiatriezentrum Münsingen
Erscheinung: 01.11.2019

Link teilen


Über buchnah.de | Die Buchhandlungen | Die Verlage | Impressum & Kontakt | Datenschutz | Presse


Auf dieser Seite kannst Du Buchhandlungen in der Nähe finden