Zwischen 1997 und 2014 schrieb Famoudou Konaté mehrere hundert autobiographische Notizen in französischer Sprache, die Thomas Ott für dieses Buch redigierte, übersetzte und ordnete.
Im ersten Teil erzählt Famoudou Konaté aus seinem Leben. Er berichtet von seiner Kindheit im Dorf zur Kolonialzeit (die Franzosen waren noch überall präsent), von seiner großen Familie und der eindrucksvollen Figur seines Vaters, von seinen Anfängen als kleiner Trommler und seinem musikalischen Werdegang – und vom großen Sprung in die Welt, als er nach der Unabhängigkeit als Sieger aus dem strengen Auswahlverfahren für die Ballets Africains de la République de Guinée hervorging. Die ereignisreichen 25 Reisejahre mit den Ballets nehmen viel Raum ein, es gibt hier viel Komisches und Groteskes über kleine und große interkulturelle Unfälle zu lesen, aber auch einiges über Begegnungen mit Berühmtheiten aus Politik und Kultur, wie dem zairischen Präsidenten Mobutu und den Beatles. Nicht zuletzt aber auch Empörendes über die künstlerische und menschliche Ausbeutung in diesem Ensemble, die ihn schließlich zum Ausstieg zwang. Wobei er nicht ahnte, welche Chancen für ihn in der neugewonnenen Freiheit lagen – in seinem dritten Lebensabschnitt, der bis heute andauert, als konzertierender und sein Wissen und seine Kunst weitergebender Musiker.
Im zweiten Teil beschreibt er seine Herkunftskultur im Allgemeinen – die fest gefügte soziale Ordnung im Dorf mit ihren verschiedenen Berufskasten und Repräsentanten, das System der Altersgruppen (générations), die Feste und die Masken – und, in weiteren Abschnitten, das Verhältnis der Geschlechter (Jugend, Sexualität, Ehe) und die Allgegenwart von Religion, Animismus, Hexerei. Konaté betont immer wieder, dass all diese Gegebenheiten den background seiner Musik bilden, den man kennen muss, wenn man die Tänze, Lieder und Rhythmen richtig verstehen und ausführen will. Vielen dieser Traditionen, die sich allerdings allmählich abschwächen, steht er heute kritisch gegenüber, zumindest ambivalent – denn er hat in seinem langen Leben auch andere Kulturen kennengelernt, deren Gewohnheiten zu dem, was er hier beschreibt, oft in Widerspruch stehen.
Der dritte Teil umfasst alles, was Konaté zur Musik zu sagen hat: zu ihrer Geschichte, ihren Funktionen, zu den Instrumenten und ihrer Verwendung – mit dem Schwerpunkt auf seinem ureigenen Instrumentarium, der Djembé und den drei oder vier Basstrommeln. Hier lenkt er den Blick auf vieles, das auch Kennern seiner Musik vielleicht noch nicht vertraut ist. Besonders wertvoll dürfte für diesen Personenkreis sein, was er zur Spieltechnik und zur musikalischen Gestaltung aufgeschrieben hat, und was er jungen Trommlerinnen und Trommlern mit auf den Weg gibt. Denn die, so Konaté, haben sich oft von ihren kulturellen Wurzeln entfernt und praktizieren ihre Kunst auf eine Weise, die er kritikwürdig findet.
Der vierte Teil (Erfahrungen und Gedanken) enthält und ordnet eine weitere Textsorte aus den Aufzeichnungen. Es sind Reflexionen zu Problemen und Themen, die Famoudou Konaté im Laufe seiner Reisen und seiner vielen Erfahrungen „zwischen den Kulturen“ wichtig wurden: zu den afrikanischen Lehr- und Lerngewohnheiten im Vergleich zu denen der „Weißen“, zu deren oft rücksichtslosem Handeln und Verhalten gegenüber afrikanischen Musikern und ihrer Musik (z.B. was den urheberrechtlichen Anstand betrifft), zum politischen Chaos und zur Umweltzerstörung in seinem Land.
Ergänzt werden seine Ausführungen um einen Katalog der wichtigsten Malinké-Rhythmen und ihres jeweiligen Funktionszusammenhangs.
Famoudou Konaté
Autor: Famoudou Konaté (*1940 in Guinea/Westafrika)
ist einer der bekanntesten Musiker der westafrikanischen Malinké-Tradition. Er spielte bereits als Achtjähriger die Djembé-Trommel bei Festen in seiner Heimatregion. 1959 bis 1985 war er erster Djembé-Solist des weltweit auftretenden staatlichen Ensembles Les Ballets Africains de la République de Guinée.
Seit 1986 unterrichtet und konzertiert Konaté in Westafrika, Europa, Japan, China, Taiwan, Israel, Nordamerika und Brasilien und gibt seine Kenntnis der traditionellen Rhythmen und Tänze seiner Heimat weiter. 1991 entstand für die Abteilung Musikethnologie des Berliner Museums für Völkerkunde (heute Ethnologisches Museum) eine Dokumentation seiner Musik auf der CD Rhythmen der Malinké. 1996 wurde er Honorarprofessor für Didaktik afrikanischer Musikpraxis an der Hochschule der Künste Berlin (heute Universität der Künste). Auf seinen seither erschienenen CDs veröffentlichte Konaté eine große Zahl von Rhythmen und Liedern seiner Herkunftskultur in exemplarischen Einspielungen.
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